Sie sind hier: Startseite » Roegelsnap Verlag » ebooks » Leseproben

Leseproben

Unsere ebook - Titel erhalten Sie via Email oder als Download.

Planet der Leistungsträger

Teil 1 “Der Jagdausflug“ ( Eine Geschichte aus der Zukunft von Peter A. Kettner )


Prolog

Am 2. Mai 2095, 09:00 Standartzeit treffen sich die Vertreter der zwölf weltgrößten Konzerne zu einem Gipfeltreffen in Madrid, um über die Zukunft der Welt im allgemeinen und ihre zukünftigen Gewinne im Besonderen zu entscheiden.

In den Führungsetagen von Wirtschaft und Industrie ist man schon seit Längerem zu der Feststellung gelangt, nur mit harten, drakonischen Maßnahmen die Besitzstände wahren zu können.

Sorgen bereiteten vor allem die Politiker der gemäßigten Linken, die eine gerechte Verteilung aller Ressourcen forderten.

Es sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass fünf Prozent der Erdbevölkerung über neunzig Prozent des Gesamtvermögens besaßen. Konsumenten wurden bei dieser Quote nicht mehr benötigt.

Gezielt lancierte Konflikte in Ländern der Dritten und Vierten Welt erzeugten zwar Hungersnöte, die eine gewisse Ausdünnung der Bevölkerung mit sich brachten, lösten aber das Gesamtproblem nicht nachhaltig.

Unter Leitung der führenden Industriestaaten wurde in mehreren Geheimkonferenzen eine Aufteilung der Welt in 10 Sektoren beschlossen. Pro Sektor war eine Mega-City vorgesehen. Die zehn Mega-Citys verwalteten die Welt gemeinsam. Geschützt von der Außenwelt waren diese Stadtstaaten nur der Elite aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur vorbehalten.

Diese selbsternannte Elite gab sich den hehren Namen “Leistungsträger“.

Am 2. Februar 2102 waren alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Die Bartholomäusnacht von 1572, auch bekannt als Pariser Bluthochzeit, diente als Vorbild als am 20. März 2102 in einer von langer Hand vorbereiteten globalen Aktion, alle oppositionellen Politiker, Intellektuelle und verfassungstreue, nun nicht mehr benötigte Militärs eliminiert wurden.

Vollkommen ohne Führung brach die staatliche Ordnung in fast allen Ländern innerhalb kürzester Zeit zusammen. Diese Jahre der großen Veränderungen ging in die Geschichtsbücher der Leistungsträger als die Grossen Geistige Wende ein.

Personen und Handlung dieses Buches sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sowie existierenden
Unternehmen wären also rein zufällig.

Hier erhalten Sie: Planet der Leistungsträger - Folge 1 Der Jagdtausflug >

Dr. Cornelius Stahl - Mörderische Abgründe

Fall: 01 Tödliche Idylle

- 1 -

»Der Kerl ist ein Spinner! Ein Vollidiot!« Rechtsanwalt Hähnert war außer sich. Er hatte seine Lippen fest aufeinander gepresst, so dass sie einen blutleeren Strich bildeten.

»Aber er ist der Einzige, der uns jetzt noch helfen kann«, erwiderte sein Kollege Robert Kreyer besonnen. Er wusste, dass es nur noch ein paar Minuten Überzeugungsarbeit bedurfte, um seinen Partner umzustimmen.

Hähnert seufzte tief und blickte aus dem Fenster des Büros, an dem der Regen herab rann. »Ich hasse es, wenn von solchen Leuten, die sich auch noch Kapazität schimpfen dürfen, der Ausgang eines Prozesses abhängt.«

Kreyer nickte. »So läuft das nun mal heutzutage. Besorg’ dir einen gescheiten Gutachter und am Ende ist der Mörder das eigentliche Opfer. Uns kann es doch letztlich egal sein, wenn wir dadurch das Strafmaß für den jungen Wagner mindern können. Mehr ist aus der Sache eh nicht rauszuholen.«

Hähnert fuhr sich nervös über das glatt rasierte Kinn. In seinem Gesicht arbeitete es. Als er sich zu seinem Kollegen umdrehte, hatte er einen Entschluss gefasst. »Also gut! Ruf ihn an. Aber ich will mit diesem Kerl nichts zu tun haben, nur damit das von Anfang an klar ist. Er geht mir derart auf die Nerven, dass ich …«

»Schon gut, schon gut«, unterbrach Kreyer. »Ich werde die Gespräche mit ihm übernehmen. Du gehst ihm am Besten aus dem Weg.« Kreyer klopfte seinem Partner freundschaftlich auf die Schulter. Als er zum Telefon hinüber ging, lag ein verschmitzter Ausdruck auf seinem Gesicht.

Personen und Handlung dieses Buches sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sowie existierenden
Unternehmen wären also rein zufällig.

Hier erhalten Sie: > "Dr. Cornelius Stahl - Möderische Abgründe" Fall 01 - Tödliche Idylle

Weltenstein - Nr.: 01

PROLOG

1.

So wie die Sonne vom wolkenlosen Himmel schien, hatte der Betrachter das Gefühl, es wäre Hochsommer. Doch in Wirklichkeit war es erst Anfang April und trotz des traumhaften Wetters waren die Temperaturen noch recht niedrig.

Schiffe krochen träge auf den Neckar entlang und näherten sich der nächsten Schleuse.

Sascha sah aus dem Fenster und beobachtete die Szenerie. Die Bäume der Stadt, deren Frühlingserwachen unüberschaubar war, der Neckar, der eine glitzernde Trennlinie zu ziehen schien, die Dächer der alten Häuser, die scheinbar eine uralte Geschichte erzählen wollten, während sie aus dem frischen Grün der Bäume hervor stachen, Autos, die sich wie Spielzeuge auf den Straßen und über die Konrad-Adenauer-Brücke bewegten.

Sascha mochte die freundlich-kalte Atmosphäre und ließ die Blicke über das Panorama schweifen, um dabei seine Gedanken baumeln zu lassen.

“Dieser Meinung bist du sicher auch, Sascha“, holte ihn eine Stimme in die Wirklichkeit zurück.

Sascha zuckte unwillkürlich zusammen. Verhaltenes Gekicher machte ihm unmissverständlich klar, dass er in flagranti beim Träumen erwischt worden war.

Herr Lehmann, sein Politiklehrer, sah ihn herausfordernd hinter seinen dicken Brillengläsern, die in einem schwarzen Horngestell eingefasst waren, an. Die Schüler nannten ihn wegen seines Auftretens und wegen seiner Brille auch gerne hinter seinem Rücken Honecker.

Sascha ärgerte sich, als er merkte, dass seine Ohren rot wurden.

“Ja“, sagte er, nachdem er seine Überraschung überwunden hatte.

“Seht an!“ triumphierte Herr Lehmann. “Wir haben einen echten Demokraten unter uns. Einer der die Beschneidung der Pressefreiheit genauso gut heißt, wie die Verfolgung der Schwarzen in Südafrika während der Apartheid. Tu mir einen Gefallen und nimm niemals ein politisches Amt an.“

Gelächter, teils amüsiert, teils hämisch und schadenfroh, drang zu ihm herüber. Er wagte einen verstohlenen Blick zur Seite und bemerkte erfreut, dass Svenja als Einzige nicht lachte.

Er mochte Svenja. Man konnte zwar nicht behaupten, er sei in Svenja verliebt, aber beide waren eng befreundet und gingen gemeinsam durch dick und dünn.

Mit zufriedenem Grinsen machte Herr Lehmann kehrt und ging wieder zurück zum Pult.

Sascha unterdrückte nur mühsam seine Wut. Herr Lehmann war ein widerlicher Kerl. Er war frustriert, jähzornig und ungepflegt. Einen funktionierenden Rasierapparat besaß er anscheinend nicht. Außerdem stank er, als würde er seine Fürze systematisch in seinem abgewetzten Sakko sammeln.

Kritik an seiner Person nahm er grundsätzlich übel. Als ihm mal jemand vor dem Unterricht demonstrativ eine Dose Deospray auf das Pult stellte, hatte er der ganzen Klasse einen Klassenbucheintrag verpasst. Dieser Eintrag wurde aber wenig später vom Rektor der Schule wieder gelöscht.

Lehmanns Ressentiments gingen indes aber immer weiter und er war ganz eindeutig der meistgehasste Lehrer der Schule. Selbst die Schulleitung suchte händeringend nach einer Möglichkeit, um ihn versetzen zu können.

Bis dahin mussten die Schüler und damit auch Sascha Herrn Lehmann ertragen. Durch einen Trick stellte die Schulleitung aber sicher, dass keine Klasse sich länger als ein Schuljahr lang mit ihm herumärgern musste.

Sascha blickte verstohlen auf die Uhr. In zehn Minuten war die Unterrichtsstunde zu Ende. Herr Lehmann hatte einmal mehr sein Lieblingsspielzeug, den Overhead-Projektor, eingeschaltet und legte wieder eine seiner berüchtigten Folien auf.

Herr Lehmann fand es stets überflüssig, hierzu etwas zu sagen. In blauer Schrift hatte er bestimmte Informationen zusammengefasst und rechts unten, sorgsam in einem Rechteck vom übrigen Text abgegrenzt, stand in roter Schrift sie Zeit, die er den Schülern zum Abschreiben zugestand. In diesem Fall waren es sieben Minuten.

Die Klasse erstarrte in angestrengtem Schweigen und begann unverzüglich, zu schreiben, während Herr Lehmann seine berüchtigte Stoppuhr hervor holte und startete.

Damit wussten die Schüler, dass sie exakt sieben Minuten hatten und keine Sekunde mehr. Herr Lehmann starrte wie gebannt auf die Zeiger der alten analogen Uhr, während sein rechter Zeigefinger wie eingefroren über dem Netzschalter des Overhead-Projektors ruhte. Eben so wie immer …

Exakt nach sieben Minuten schaltete Herr Lehmann den Projektor ab. Einige Schüler stöhnten verärgert auf. Die Zeit hatte wie immer nicht gereicht. Aber viele Schüler waren schlau genug, um bereits zu Beginn des Schuljahres abgesprochen zu haben, dass einige nur etwa die zweite Hälfte abschrieben und die Klasse hinterher gemeinsam die Lücken schloss.

“Und jetzt die Hausaufgaben“, ergänzte Herr Lehmann im Befehlston. Die Schüler machten sich wieder bereits zum Schreiben und Herr Lehmann diktierte. “Beschreiben Sie, warum Nelson Mandela zuvor als Terrorist bezeichnet wurde und wie er zu einem der großen Wegbereiter aus der Apartheid heraus wurde. Umfang: mindestens vier Seiten.“

Während die Schüler hastig darum bemüht waren, die Hausaufgaben zu notieren, packte er ohne ein weiteres Wort seine Sachen zusammen und als die Pausenglocke das Ende des Unterrichtes ankündigte, raffte er seine vergammelte Ledertasche an sich und verließ im Stechschritt den Klassenraum ohne weiteren Gruß.

Die Schüler atmeten auf und erhoben sich träge. Mit dieser Stunde war der Schultag zu Ende.

Svenja packte Ihre Hefte und Bücher in ihren Rucksack und wartete darauf, dass auch Sascha seine Sachen gepackt und zu ihr aufgeschlossen hatte. Gemeinsam verließen sie den Klassenraum und blieben an am Gang neben der Klassenraumtür stehen.

“Das war aber vorhin kein besonders guter Auftritt“, bemerkte Svenja mit leicht ironischem Unterton.

“Ich war mit den Gedanken ganz woanders“, gab Sascha zu.

“Das war nicht zu übersehen“, entgegnete Svenja. “Der alte Sack hat gemerkt, dass du gepennt hast und hat dich eiskalt ins offene Messer laufen lassen.“

“Das ist ein widerlicher Kerl“, beschwerte sich Sascha.

“Das stimmt“, ergänzte Svenja. “Aber ich mache mir echt Sorgen. Du bist immer weniger bei der Sache. Was ist denn mit dir los?“

“Äh … nix …“ Sascha war verwirrt. “Wie kommst du da drauf?“

“Also hör mal!“ Svenja machte eine ungeduldige Bewegung. “Ich habe Augen im Kopf und ich beobachte dich. Ich sehe, wie du immer wieder abdriftest. Du bist unkonzentriert. Nagt irgendetwas an dir?“

“Nein“, sagte Sascha. “Wirklich nicht.“

Und das meinte er aufrichtig. Für ihn ist so weit wirklich alles in Ordnung. Okay, sah man mal davon ab, dass er im Moment die Nase wirklich voll hatte. Er war achtzehn und hatte nach diesem Schuljahr immer noch ein Jahr, ehe er sein Abitur machen konnte. Die Schule ging ihm immer häufiger auf die Nerven. Und die Tatsache, dass er noch solche Intelligenzattrappen, wie Herrn Lehmann als Lehrer zu ertragen hatte, machte ihm den Schulalltag auch nicht leichter.

Die Osterferien waren gerade vorbei und er musste immer noch drei Monate durchhalten, ehe die Sommerferien näher rücken sollten und er das Schuljahr und damit Herrn Lehmann abhaken konnte.

Aber dieses Schicksal trug er ja nicht alleine. Allerdings musste er zugeben, dass er schon verstärkt dazu neigte, seine Gedanken spazieren zu führen.

“Okay“, sagte Svenja und ließ es dabei auch bewenden. “Aber du weißt, dass du zu mir kommen kannst, wenn du Probleme hast.“

Der Satz war als Feststellung formuliert. Sascha nickte nur, aber er wusste Svenjas Angebot sehr zu schätzen.

“Hast du Lust, in die Stadt zu gehen und ein Eis zu essen?“ wechselte Svenja abrupt das Thema.

“Eis?“ Sascha sah sie befremdet an. “Jetzt? Ich meine: Gibt es überhaupt eine Eisdiele, die schon jetzt im April offen hat?“

“Ja.“ Svenja grinste. “In der Fußgängerzone.“

“Gut.“ Sascha lächelte. “Dann lass uns Eis essen gehen.“

Hier erhalten Sie: > Weltenstein Nr.: 01